Kunst · Auktion
Sotheby's bringt Picassos heroische Jahre nach New York
Zwei der vier Gemälde waren seit Avignon 1970 nicht mehr öffentlich zu sehen. Sotheby's bietet sie am 18. November in der Modern Evening Auction an.
Lange war der späte Picasso das Kapitel, dem der Markt mit Vorsicht begegnete. Sotheby's rückt es jetzt in die Mitte. Unter dem Titel Picasso's Heroic Years: Masterpieces from a Prestigious European Family bietet das Auktionshaus vier Werke aus dem letzten Abschnitt von Picassos Laufbahn an, in der Modern Evening Auction während der New York Sales am 18. November 2026. Zusammen sind sie auf 30 bis 42 Millionen Dollar geschätzt.
Angeführt wird die Gruppe vom monumentalen Femme nue et homme au fanion von 1969, geschätzt auf 15 bis 20 Millionen Dollar. Dazu kommen Couple (1970), Le Peintre et son modèle (1964) und Nu (1972).
Seit Avignon verborgen
Das bemerkenswerteste Detail betrifft die beiden Hauptwerke. Femme nue et homme au fanion und Couple waren seit 1970 nicht mehr öffentlich zu sehen. Damals hingen sie in der Ausstellung Pablo Picasso, 1969-1970 im Papstpalast von Avignon. Organisiert von Christian und Yvonne Zervos, vereinte die Schau mehr als hundert neue Arbeiten und gilt als Meilenstein in der Anerkennung von Picassos Spätwerk.
Die heroischen Jahre
Die Gemälde aus Picassos letzten beiden Jahrzehnten, die Zeit, die als seine heroischen Jahre bezeichnet wird, wurden in der Kritik grundlegend neu bewertet. Rohe Energie, gestischer Pinselstrich und die Rückkehr zu archetypischen Motiven gelten heute weithin als das letzte große Aufblühen des Künstlers. Die Kunsthistorikerin Simonetta Fraquelli schreibt, die Neubewertung seit seinem Tod habe die ungebrochene Kraft und Originalität dieses Werks hervorgehoben. Sotheby's verweist außerdem auf den nachhaltigen Einfluss dieser Bilder auf die neoexpressionistische Malerei ab den frühen 1980er Jahren.
Das Auktionshaus beschreibt einen Maler, der seine Sprache auf schnelle, spontane Striche reduzierte, oft in großem Format, mit einem wiederkehrenden Personal aus Liebespaaren, Musketieren, Malern und Modellen. Viele dieser Werke inspirierte seine letzte Frau, Jacqueline Roque, deren Gegenwart die Jahre prägt, die oft „l'époque Jacqueline“ genannt werden.
Ein Künstler, der mit außergewöhnlicher Freiheit und Dringlichkeit arbeitet.
Allegra Bettini, Head of Modern Art Marquee Sales, Sotheby's
Vier Werke, vier Themen
Femme nue et homme au fanion, gemalt am 29. Juli 1969, vereint zwei der wichtigsten späten Motive Picassos, das Paar und den Musketier. Hier ist der Musketier die eine Hälfte eines Liebespaares, eine Anspielung auf Picassos Glück mit Jacqueline. Ein Speer mit Wimpel in Rot und Gelb, den Farben der spanischen Flagge, hebt sich vom sonst monochromen Grund ab, ein heraldisches Zeichen, das wohl auch auf den Matador anspielt.
Couple, gemalt am 12. Januar 1970, gehört zu Picassos zärtlichsten Deutungen des Liebespaares. Er versucht keine Ähnlichkeit, doch die Frau gilt als Jacqueline und der Mann als der Künstler selbst, eine Paarung, die an Rembrandt und Saskia erinnert. Schätzung: 10 bis 15 Millionen Dollar.

Le Peintre et son modèle entstand zwischen dem 12. und 14. November 1964. Das Thema taucht in Picassos Werk schon 1914 auf und wurde ab den frühen 1960er Jahren zu einer einzigartigen Faszination. Links steht ein bärtiger Maler mit Pinsel und Staffelei, rechts liegt das nackte Modell, und die Staffelei trennt die beiden. Schätzung: 2,5 bis 3,5 Millionen Dollar.

Nu, entstanden zwischen dem 1. und 3. Mai 1972, ist erneut von Jacqueline inspiriert, die Picasso 1952 in der Töpferwerkstatt in Vallauris kennenlernte. Die kantigen Züge und die abstrahierte Form erinnern an die kühne Figuration seiner surrealistischen Jahre. Schätzung: 2,5 bis 3,5 Millionen Dollar.

Erst Paris, dann New York
Die vier Werke wurden am 19. Oktober in Paris im Rahmen der internationalen Ausstellungstour von Sotheby's enthüllt und sind dort bis zum 23. Oktober zu sehen. In New York werden sie vom 7. bis 17. November gezeigt, bevor am 18. November die Auktion folgt. Wer den späten Picasso nur aus Reproduktionen kennt, hat hier die seltene Gelegenheit, vor zwei Gemälden zu stehen, die mehr als ein halbes Jahrhundert lang verborgen waren.






